Brot und Saatgut


Extreme Trockenheit: Was wir in diesem Sommer erlebten, ist für andere Gegenden jährlicher Normalfall. Ein harter Kampf für die Bauern – wird es mit der Ernte etwas oder nicht? Wenn die Not sehr groß ist, verzehren die Menschen in Dürregebieten das wenige Getreide, um satt zu werden – auch das, was eigentlich ihr Saatgut fürs nächste Jahr sein soll. Was für eine tragische Situation! Wer sein Korn heute essen muss, hat morgen nichts zu säen und nächstes Jahr nichts zu essen.

Dr. Ulrich Wendel ist Chefredakteur von „Faszination Bibel“

Vielleicht verhalten wir uns manchmal als Christen ähnlich, ohne es zu merken: Wir stürzen uns aufs Brot und vernachlässigen das Saatgut. Der Prophet Jesaja verwendet einen Vergleich für Gottes Wort:

Und wie Regen oder Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne dass er die Erde tränkt, sie fruchtbar macht, dass alles sprießt, dass Brot zum Essen da ist und Saatgut für die nächste Saat, so ist es auch mit meinem Wort: Es kehrt nicht leer zu mir zurück …“ (Jesaja 55,10–11a).

Gottes Wort bewirkt also, kurz gesagt, Brot und Saatgut. Ein schönes Bild auch für die Bibel. Sich an der Bibel sattessen, das kann auf vielerlei Weise geschehen:
  • Die Losungsverse oder einen täglichen Bibelabschnitt lesen
  • Einen hübsch gestalteten Bibelvers auf Instagram finden
  • Sich eine biblische Ermutigung vor einer großen Herausforderung zusprechen

Doch wenn wir unsere gesamte Zeit, die wir der Bibel widmen, nur für das „Brot“ verwenden, also nur um täglich eine Portion aufzunehmen, dann kann es sein, dass es uns später an „Saatgut“ fehlt. Wie „säe“ ich Bibel in mein Leben, sodass etwas aufwächst? Dass aus einem Korn viele werden? Dass auch andere sich davon nähren können?
  • Ich lese lange Passagen am Stück, um übergreifende Zusammenhänge zu erfassen.
  • Ich lese etwas über Hintergründe – z.B. wenn in meiner Bibelausgabe Einleitungstexte zu jedem biblischen Buch abgedruckt sind.
  • Ich lese einen kompletten Brief des Neuen Testaments durch.
  • Ich vertiefe mich in wichtige biblische Begriffe – z.B. mit dem schönen Buch „Grundworte des Neuen Testaments“ von Ralf Luther oder einem ähnlichen Buch.
Warum entsteht auf diese Weise „Saatgut“, das über die tägliche Ration hinausreicht? Weil ich mir mit der Zeit einen Vorrat anlege. Ich kann Herausforderungen besser begegnen, weil mir vergleichbare Situationen aus der Bibel einfallen. Ich kann mein eigenes Leben mit seinen Höhen und Tiefen besser verstehen, weil ich etwas von Gottes großer Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen erfasst habe. Ich kann andere ermutigen, weil ich einen passenden Gedanken zum Weitergeben habe. Ich kann Antwort auf ihre Fragen finden, im Freundeskreis oder bei meinen eigenen Kindern. Auf diese Weise kann ich andere „nähren“. Und mich selbst. In Krisen, wo ich nicht zu Gottes Buch greifen mag, habe ich dennoch etwas von seinem Wort in mir, weil ich es rechtzeitig in mir ausgesät habe.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie beides aus der Bibel gewinnen können, Brot und Saatgut.

ULRICH WENDEL

(aus: Faszination Bibel 3/2019, S. 3; Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung)

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